Konzert
Marx: Nicht Kommunist - Komponist!

Von Daniel Wagner

Wer war Joseph Marx? Komponist, Pianist, Musikgelehrter, potenzieller Präsidentschaftskandidat und Rezensent der “Wiener Zeitung”. Es bräuchte viele Definitionen zur Darstellung dieser Integrationsfigur der österreichischen usikgeschichte. Nüchtern betrachtet, muss man ihn anders beschreiben: Marx, der beinahe Vergessene. Damit es nicht so weit kommt, gründete eine Truppe engagierter Musikliebhaber 2006 die Joseph-Marx-Gesellschaft. Einige erfolgreiche CD-Projekte später fand nun der erste konzertante Gesellschaftsabend in Wien statt. Der britische Pianist Jonathan Powell, Verfechter vergangener Größen, präsentierte im alten Rathaus einen Strauß Marx’scher Klavierstücke, umgeben von Zeitgenossen wie Marx-Freund Franz Schmidt und Schreker-Schüler Felix Petyrek. Beherzt kämpfte sich Powell durch den tonalen, weit mehr als spätromantischen Dschungel aus lyrischen “Schmetterlingsgeschichten”, brillanten “Arabesken” oder modern-jazzigen “Albumblättern”. Mit Johannes Maria Staud und einer Richard-Strauss-Bearbeitung gelang zwar ein wenig harmonisches Finale. Doch es bleibt die Freude auf die Veröffentlichung der Marx’schen Zuckerln.

Wiener Zeitung, Dienstag, 29. Jänner 2008



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